Zum Content springen

Microsoft ERP: Was Sie im Zuge des Brexits beachten sollten

Mit 1. Jänner 2021 ist das Vereinigte Königreich (Großbritannien und Nordirland, „UK“) kein Mitglied mehr in der Europäischen Union. Durch das Brexit-Abkommen, das zu Weihnachten abgeschlossen wurde, sind nun viele Details klar und abgesichert. Zölle entfallen ebenso wie viele Zollformalitäten, und für Nordirland gelten umfangreiche Sonderregeln (Details).

Um die geschäftlichen Transaktionen im Bereich des Warenverkehrs auch zukünftig korrekt im ERP abzubilden, muss vieles berücksichtigt, bedacht, eingerichtet und getestet werden. Einige Themen im Überblick:

1. Länder- und Umsatzsteuer

Großbritannien (England, Wales, Schottland) wird zum Drittland, Nordirland unterliegt Sonderregeln. Transaktionen mit Geschäftspartnern aus dem Vereinigten Königreich werden wie folgt klassifiziert:

  • Ein- und Verkäufe mit Großbritannien als Drittland
  • Lieferungen aus und nach Nordirland als innergemeinschaftlicher Erwerb bzw. als innergemeinschaftliche Lieferung
  • Sonstige Leistungen aus oder nach Nordirland als Drittland

2. Handelspartner

Die früheren UID-Nummern des Vereinigten Königreichs, beginnend mit GB, verlieren ihre Gültigkeit – auch für Nordirland. Geschäftspartner aus Nordirland haben eine neue UID, beginnend mit XI.

Das kann folgende Anpassungen für Kunden und Lieferanten in folgenden Bereichen erfordern:

  • Mehrwertsteuergruppe
  • UID-Nummer
  • Adresse (Kunden und Lieferanten aus Nordirland)

Häufig werden auch Debitoren- und Kreditorengruppe abhängig von der Unterscheidung Inland/EU/Drittland vergeben – in diesem Fall muss die Gruppe angepasst werden.

3. Offene Aufträge, Projekte, Freitextrechnungen, Bestellungen, Hauptbuchjournale

Nach Möglichkeit sollten vor der Umstellung alle bekannten Dokumente mit Kunden oder Lieferanten aus dem Vereinigten Königreich vollständig erfasst und gebucht werden. Insbesondere geht es um:

  • Offene Vertriebs- und Serviceaufträge, inkl. etwaiger Zuschläge
  • Offene Projekte und Rechnungsvorschläge
  • Offene Freitextrechnungen
  • Offene Bestellungen, erfasste Eingangsrechnungen, inkl. etwaiger Zuschläge
  • Offene Kreditoren- oder Debitorenjournale

In den verbleibenden Dokumenten sind eventuell Anpassungen erforderlich bei:

  • Mehrwertsteuergruppe
  • UID Nummer
  • Adresse (Kunden und Lieferanten aus Nordirland)
  • Listencode

Eine zusätzliche Komplexität ergibt sich noch daraus, dass für die Mehrwertsteuerfindung das Leistungsdatum und nicht das Rechnungsdatum maßgeblich ist.

4. Intrastat und „Zusammenfassende Meldungen“

Intrastatmeldungen und „Zusammenfassende Meldungen“ für 2020 sollten noch vor einer etwaigen Umstellung der Stammdaten erstellt werden. Nach erfolgter Umstellung sollten diese Berichte für 2021 ebenfalls geprüft werden:

  • Lieferungen von oder nach Großbritannien sollten nicht enthalten sein
  • Lieferungen von oder nach Nordirland sollten weiterhin enthalten sein
  • Leistungen von oder ins Vereinigte Königreich (Großbritannien, Nordirland) sollten nicht enthalten sein

Fazit

Zu den oben angesprochenen Themen können Sie gerne kostenfrei bei uns eine Anleitung für die Umsetzung in Dynamics 365 Finance anfordern. Diese Themenliste deckt einige der unmittelbaren Auswirkungen des Brexits für Ihr Dynamics ERP ab.

Je nach Branche und Geschäftsmodell ergeben sich natürlich zusätzlich noch viele weitere Themen, die auch teilweise das ERP betreffen, wie beispielsweise:

  • Dienstleistungen und Entsendungen aus/im Vereinigten Königreich
  • Genehmigungen / Bescheinigungen / Zertifikate / Kennzeichnungen von Artikeln oder auch Qualifikationen
  • Datenschutz und generelles Vertragsrecht

Ein weiteres großes Themenfeld eröffnet sich für alle Unternehmen, die Außenlager, Konsignationslager oder auch Mandanten in Großbritannien oder Nordirland haben.

Generell empfehlen wir daher, die ERP Prozesse zu prüfen und Details mit dem Steuerberater abzuklären.

Regelmäßig aktualisierte Informationen liefert auch die Wirtschaftskammer, unter https://www.wko.at/service/aussenwirtschaft/brexit-checkliste-wko.pdf

Wir stehen Ihnen gerne mit Rat und Tat zur Seite bei den erforderlichen Anpassungen im Set-up und gegebenenfalls auch in den Prozessen. Gleich Kontakt aufnehmen!